Rentabilität einer Ferienwohnung berechnen: Was am Ende wirklich übrig bleibt

Ratgeber für Ferienvermieter · Lesezeit ca. 11 Minuten · Read in English

„Wir hatten letztes Jahr 48.000 Euro Umsatz." Das ist der Satz, den man beim Vermietertreffen hört. Was niemand sagt: Was davon übrig geblieben ist. Denn genau das wissen die wenigsten — und die Zahl fällt regelmäßig um 40 bis 60 Prozent kleiner aus als gedacht.

Umsatz ist die unwichtigste Zahl in der Ferienvermietung. Er sagt nichts darüber, ob sich deine Wohnung trägt, ob ein zusätzliches Objekt sinnvoll wäre oder ob du im November lieber zusperrst. In diesem Artikel gehen wir durch, welche vier Kennzahlen wirklich zählen, welche Kosten in fast jeder Kalkulation fehlen und wie du deine Break-even-Auslastung bestimmst — die Zahl, die dir bei jeder Preisentscheidung sagt, ob du gerade Geld verdienst oder nur beschäftigt bist. Rechnen kannst du direkt hier: Der Rechner weiter unten ist kostenlos und ohne Anmeldung nutzbar.

Welche Zahlen brauche ich für die Rentabilität?

Vergiss für einen Moment den Jahresumsatz. Diese vier Kennzahlen beschreiben dein Geschäft vollständig — und jede beantwortet eine andere Frage.

1. Auslastung — und warum sie fast immer falsch berechnet wird

Die Auslastung ist der Anteil der Nächte, in denen deine Wohnung belegt war. Klingt trivial, wird aber selten sauber gerechnet. Der häufigste Fehler: durch 365 zu teilen.

Auslastung = belegte Nächte ÷ verfügbare Nächte × 100

Verfügbar heißt: Nächte, in denen du überhaupt vermieten wolltest. Wenn du im November vier Wochen renovierst und zu Weihnachten selbst in der Wohnung bist, sind das keine Leerstände — das sind Nächte, die gar nicht zum Verkauf standen. Rechnest du sie mit, machst du dich künstlich schlecht und triffst Preisentscheidungen auf Basis einer Zahl, die es nicht gibt.

Beispiel: 365 Tage, davon 30 Tage Eigenbelegung und 14 Tage Renovierung → 321 verfügbare Nächte. Bei 198 belegten Nächten sind das 61,7 % Auslastung — nicht 54,2 %, wie die Rechnung durch 365 ergeben würde. Ein Unterschied von 7,5 Prozentpunkten, allein durch die richtige Bezugsgröße.

Umgekehrt gilt: Rechne dich nicht künstlich schön, indem du jede schwache Woche zur „Eigenbelegung" erklärst. Die Frage ist immer: Hätte ich diese Nacht verkauft, wenn jemand gebucht hätte? Wenn ja, ist sie verfügbar.

2. ADR — der durchschnittliche Preis pro verkaufter Nacht

Die Average Daily Rate ist dein Umsatz geteilt durch die belegten Nächte. Sie zeigt, wie viel du pro tatsächlich verkaufter Nacht erlöst.

ADR = Umsatz ÷ belegte Nächte

Wichtig: Rechne mit dem Umsatz, der wirklich dir gehört. Wenn Ortstaxe und Reinigungspauschale in der Buchungssumme stecken, gehören sie hier streng genommen nicht hinein — die Ortstaxe ist ein Durchlaufposten, die Reinigung deckt eine Kostenstelle. Wer sie mitrechnet, hält seine ADR für höher, als sie ist, und wundert sich später über die dünne Marge.

3. RevPAR — die ehrlichste Zahl von allen

RevPAR (Revenue per Available Room, hier: pro verfügbarer Nacht) verbindet Auslastung und Preis zu einer einzigen Zahl:

RevPAR = Umsatz ÷ verfügbare Nächte   oder   ADR × Auslastung

Warum das die wichtigste operative Kennzahl ist, zeigt ein Vergleich. Zwei Wohnungen, je 300 verfügbare Nächte:

WohnungAuslastungADRRevPARUmsatz
A — „gut gebucht"80 %€ 95€ 76€ 22.800
B — „teuer"55 %€ 150€ 82,50€ 24.750

Wohnung A wirkt erfolgreicher — 80 % Auslastung klingt nach einem guten Jahr. Tatsächlich bringt B mehr Umsatz bei 25 Prozentpunkten weniger Auslastung. Und das ist nur die halbe Wahrheit: A hat 145 Anreisen statt 100, also 45-mal mehr Reinigung, mehr Wäsche, mehr Kommunikation, mehr Verschleiß. Nach Kosten liegt B fast immer deutlich vorn.

Deshalb ist „Auslastung erhöhen" als alleiniges Ziel gefährlich. Über den Preis bekommst du jede Wohnung voll — die Frage ist, was das kostet.

4. Nettogewinn — die einzige Zahl, die am Ende zählt

Alle drei bisherigen Kennzahlen beschreiben die Umsatzseite. Der Gewinn entsteht erst nach Abzug der Kosten — und dort liegt bei den meisten Vermietern der blinde Fleck.

Rentabilitätsrechner für Ferienwohnungen

Trag deine Zahlen ein — es wird sofort gerechnet. Nichts wird gespeichert oder übertragen, alles läuft in deinem Browser. Die Vorgaben sind ein realistisches Beispiel für eine Ferienwohnung.

Vermietung
Abzüge vom Umsatz
Variable Kosten (pro Anreise)
Fixkosten pro Jahr
Deine Arbeitszeit (optional, aber ehrlich)
Auslastung
ADR
RevPAR
Gewinn
Umsatz brutto
− Durchlaufposten (Ortstaxe u. Ä.)
− Umsatzsteuer
− Portal-Provisionen
− Zahlungsgebühren
= Nettoerlös
− variable Kosten (Reinigung, Wäsche, Verbrauch)
− Fixkosten
− eigene Arbeitszeit
Gewinn pro Jahr

Welche Kosten werden bei der Rechnung vergessen?

Wenn Vermieter ihre Rentabilität zu hoch einschätzen, liegt das selten an einem Rechenfehler, sondern an vergessenen Positionen. Das sind die häufigsten:

Rechne ich brutto oder netto? Die Umsatzsteuer-Falle

Der häufigste systematische Fehler bei der Rentabilitätsrechnung: Bruttoeinnahmen mit Nettokosten zu vergleichen. Auf Beherbergungsleistungen gelten in Österreich 10 % und in Deutschland 7 % Umsatzsteuer. Bei 34.000 € Bruttoumsatz sind in Österreich rund 3.090 € davon Umsatzsteuer — Geld, das nie dir gehört hat.

Wenn du regelbesteuert bist, rechne konsequent netto: Einnahmen ohne USt, Ausgaben ohne Vorsteuer. Bist du Kleinunternehmer, weist du keine USt aus, kannst aber auch keine Vorsteuer abziehen — dann rechnest du beide Seiten brutto. Der Fehler entsteht immer beim Mischen.

Kurzcheck: Wenn deine Rentabilität auffällig gut aussieht, prüfe zuerst, ob die Umsatzsteuer draußen ist. Zehn Prozentpunkte Marge sind schnell „gefunden", wenn man sie nur lange genug übersieht.

Ob Regelbesteuerung oder Kleinunternehmerregelung für dich gilt, hängt von Umsatzgrenzen ab, die sich gelegentlich ändern. Das ist der eine Punkt, an dem sich ein kurzes Gespräch mit dem Steuerberater immer rechnet — dieser Artikel ersetzt keine Steuerberatung.

Ab welcher Auslastung verdiene ich Geld? (Break-even)

Die praktisch nützlichste Kennzahl überhaupt bekommst du fast geschenkt, sobald du Fixkosten und variable Kosten getrennt hast: Wie viele Nächte musst du verkaufen, um deine Fixkosten zu decken?

Deckungsbeitrag pro Nacht = Nettoerlös pro Nacht − variable Kosten pro Nacht
Break-even-Nächte = Fixkosten ÷ Deckungsbeitrag pro Nacht

Der Rechner oben zeigt dir das Ergebnis direkt an. Warum es so nützlich ist: Es beantwortet die Frage, die sich jeder Vermieter im Frühjahr stellt — „Soll ich für 65 € vermieten oder lieber leer lassen?"

Die Antwort hängt nur am Deckungsbeitrag. Wenn dich eine zusätzliche Nacht 6 € Verbrauch kostet und die Anreise 73 € Reinigung und Wäsche, dann bringt eine Zwei-Nächte-Buchung zu 65 € netto genau: 130 − 12 − 73 = 45 € Deckungsbeitrag. Das ist mehr als null — die Buchung lohnt sich, solange sie keine teurere verdrängt. Bei einer Ein-Nacht-Buchung sieht dieselbe Rechnung so aus: 65 − 6 − 73 = −14 €. Diese Buchung kostet dich Geld.

Genau deshalb sind pauschale Regeln wie „im Frühjahr immer 20 % Rabatt" gefährlich und Mindestaufenthalte oft wertvoller als Preisnachlässe. Mit den eigenen Zahlen im Kopf entscheidest du das in zehn Sekunden statt aus dem Bauch.

Warum muss ich pro Objekt statt im Durchschnitt rechnen?

Wer mehrere Wohnungen vermietet, kennt meist nur die Gesamtsumme. Das verdeckt regelmäßig, dass ein Objekt die anderen quersubventioniert:

ObjektUmsatzKostenGewinnMarge
Studio klein€ 18.400€ 12.900€ 5.50030 %
Wohnung mittel€ 31.200€ 19.800€ 11.40037 %
Chalet gro߀ 44.000€ 41.200€ 2.8006 %
Gesamt€ 93.600€ 73.900€ 19.70021 %

Auf Gesamtebene sehen 21 % Marge ordentlich aus. Tatsächlich verdient das Chalet — das Objekt mit dem höchsten Umsatz und der meisten Arbeit — praktisch nichts. Solche Muster siehst du nur, wenn du Einnahmen und Kosten je Objekt zuordnest. Kosten, die sich nicht sauber zuordnen lassen (Software, Steuerberatung), lässt du besser als „geteilt" stehen, statt sie willkürlich zu verteilen — sonst rechnest du dir eine Genauigkeit vor, die es nicht gibt.

Häufige Denkfehler bei der Rentabilität

Wie oft sollte ich rechnen?

Einmal im Jahr für die Steuer ist zu spät — dann sind alle Entscheidungen bereits getroffen. Sinnvoll ist ein Rhythmus in drei Stufen:

Der Aufwand liegt fast vollständig im Sammeln der Kosten. Genau daran scheitern die meisten: Die Belege liegen in einer Schachtel, die Auswertung wird auf „irgendwann" verschoben, und im Februar rekonstruiert man ein ganzes Jahr aus Kontoauszügen.

SmooInsight rechnet das laufend für dich — mit deinen echten Zahlen. Die Umsätze kommen automatisch aus deinen Smoobu-Buchungen, anteilig auf die richtigen Monate verteilt. Belege lädst du als Foto oder PDF hoch, die Werte werden ausgelesen, du bestätigst kurz — fertig. Wiederkehrende Kosten legst du einmal an. Du siehst Gewinn pro Objekt und Monat, netto oder brutto je nach Vorsteuerabzug, und exportierst alles für den Steuerberater.
Kostenlos ausprobieren

Häufige Fragen

Was ist eine gute Rendite bei einer Ferienwohnung?
Das hängt vor allem an zwei Fragen: Ist das Objekt finanziert, und rechnest du deine eigene Arbeitszeit mit? Eine abbezahlte Wohnung ohne angesetzten Eigenlohn erreicht häufig 45 bis 60 % operative Marge vom Nettoerlös. Kommen Kreditraten und ein realistischer Stundensatz dazu, landen viele Vermieter bei 15 bis 30 % — und einzelne Objekte auch bei null. Deshalb sagt ein Branchenwert wenig: Aussagekräftig sind dein eigener Vorjahresvergleich und der Vergleich zwischen deinen Objekten.
Wie berechne ich die Auslastung einer Ferienwohnung richtig?
Belegte Nächte geteilt durch die verfügbaren Nächte, mal 100. Verfügbar sind nur Nächte, die du tatsächlich vermieten wolltest — Eigenbelegung und Sperrzeiten gehören nicht in den Nenner.
Was ist der Unterschied zwischen ADR und RevPAR?
Die ADR ist der Umsatz je verkaufter Nacht, RevPAR der Umsatz je verfügbarer Nacht. RevPAR berücksichtigt also auch die leeren Nächte und ist damit die ehrlichere Kennzahl für den Vergleich zwischen Objekten, Monaten und Jahren.
Soll ich brutto oder netto rechnen?
Netto, wenn du regelbesteuert bist (Einnahmen ohne Umsatzsteuer, Ausgaben ohne Vorsteuer). Brutto auf beiden Seiten, wenn du Kleinunternehmer bist. Entscheidend ist, dass du nicht mischst.
Lohnt sich eine Buchung unter meinem normalen Preis?
Solange der Deckungsbeitrag positiv ist und die Buchung keine teurere verdrängt: ja. Rechne Nettoerlös minus variable Kosten (Verbrauch pro Nacht plus Reinigung und Wäsche pro Anreise). Bei kurzen Aufenthalten ist das Ergebnis oft negativ — dort helfen Mindestaufenthalte mehr als Rabatte.
Wie viel sollte ich für Instandhaltung zurücklegen?
4 bis 6 % vom Jahresumsatz sind ein realistischer Richtwert für laufenden Verschleiß und Ersatzbeschaffungen. Bei älteren Objekten oder hoher Auslastung eher am oberen Ende.

Weiterlesen: Was bleibt nach Portal-Provisionen übrig? · Smoobu-Statistiken richtig auswerten · Kurze Lücken im Kalender füllen