Booking.com-Provision berechnen: Was bleibt von Booking, Airbnb & Co. netto übrig?
Jede Booking-Abrechnung tut ein bisschen weh. 15 % Provision, mit „Preferred" auch mal 17 % — bei € 42.000 Jahresumsatz über dieses Portal sind das über € 7.000, die du nie zu Gesicht bekommst. Der Reflex liegt nahe: Portal abschalten, Direktbuchungen pushen, Provision sparen.
In den meisten Fällen ist das ein teurer Fehler. Nicht weil Provisionen fair wären, sondern weil die Rechnung „Provision = Verlust" die falsche Frage beantwortet. Schauen wir uns an, welche Zahlen wirklich zählen.
Warum täuscht der Brutto-Vergleich der Portale?
Die meisten Vermieter kennen ihre Portal-Verteilung ungefähr so: Booking 52 %, Airbnb 30 %, Direkt 18 %. Daraus lässt sich genau eine Sache ablesen — woher die Buchungen kommen. Was am Ende auf deinem Konto landet, steht auf einem anderen Blatt:
| Portal | Umsatz brutto | Dein Satz | Netto | Ø pro Nacht |
|---|---|---|---|---|
| Booking.com | € 42.000 | 17 % | € 34.860 | € 118 |
| Airbnb | € 24.000 | 15 % | € 20.400 | € 132 |
| Direktbuchung | € 14.000 | 1,8 % | € 13.748 | € 145 |
| Gesamt | € 80.000 | 13,7 % | € 69.008 | € 126 |
Drei Dinge werden hier sichtbar, die keine Standard-Auswertung zeigt:
- Deine effektive Gesamtprovision: 13,7 %. Rund € 11.000 im Jahr. Das ist die Zahl, die du kennen solltest — nicht die Einzelsätze.
- Booking bleibt auch netto der größte Brocken. € 34.860 nach Abzug sind immer noch mehr als das Zweieinhalbfache aller Direktbuchungen. „Abschalten und die Umsätze holen sich die anderen Kanäle" ist eine Wette, keine Rechnung.
- Die Nächte sind unterschiedlich viel wert. Eine Booking-Nacht bringt € 118, eine Direkt-Nacht € 145 — ein Unterschied von 23 %, obwohl in Smoobu überall derselbe Preis hinterlegt ist.
Welches Portal bringt den besseren Preis pro Nacht?
Warum sind Booking-Nächte billiger, wenn der Preis doch identisch gepflegt ist? Weil sich dahinter drei Effekte verstecken:
- Rabattprogramme der Portale: Genius, Mobile-Raten, Länder-Aktionen — jeder dieser Nachlässe geht von deinem Preis ab, nicht von der Provision.
- Aufenthaltslänge: Portale mit vielen Kurzaufenthalten haben oft höhere Ø-Preise, Kanäle mit Wochenrabatten niedrigere.
- Saison-Mix: Bringt dir ein Portal überwiegend Nebensaison-Nächte, drückt das seinen Schnitt — sagt aber nichts über seine Qualität aus. Im Gegenteil.
Erst dieser letzte Punkt führt zur eigentlich wichtigen Frage.
Welche Kosten stecken nicht in der Provision?
Bevor du Portale gegeneinander stellst: Der Provisionssatz ist nicht dein einziger Kostenblock, und Direktbuchungen sind nicht gratis.
- Zahlungsgebühren: Kreditkarte oder Zahlungsdienstleister kosten dich bei Direktbuchungen typischerweise 1,5–3 %. Deshalb steht in der Tabelle oben bei „Direkt" auch nicht 0 %.
- Stornoquote: Ein Portal mit niedriger Provision, aber hoher Stornoquote kann teurer sein als eines mit 17 % und verlässlichen Gästen. Rechne mit dem, was bleibt, nicht mit dem, was gebucht wird.
- Zahlungsausfall: Bei Direktbuchungen trägst du das Anzahlungs- und Ausfallrisiko selbst — das Portal nimmt es dir gegen Provision ab.
- Deine Zeit: Direktbuchungen bedeuten Anfragen beantworten, Rechnungen schreiben, Zahlungen nachhalten. Das ist kein Cash-Abfluss, aber es ist Arbeit. Wer sie nicht mitrechnet, überschätzt die Direktbuchung.
Soll ich ein Portal abschalten, um Provision zu sparen?
Die entscheidende Frage lautet nicht „Was kostet mich Booking?", sondern: Welche dieser Nächte hätte ich auch ohne Booking verkauft?
Denn die Provision ist kein Verlust, sondern ein Preis für Reichweite — und der ist mal ein Schnäppchen und mal Wucher:
- Eine Augustnacht, die du auch direkt losgeworden wärst, hat dich 17 % gekostet, die du nicht hättest zahlen müssen. Das ist echte Kannibalisierung.
- Eine Novembernacht, die sonst leer geblieben wäre, hat dir 83 % von etwas gebracht — statt 100 % von nichts. Das ist der beste Deal des Monats.
Dieselbe Provision, zwei völlig verschiedene Bewertungen. Deshalb führt „Portal X ist zu teuer, das schalte ich ab" fast immer in die Irre: Du schneidest beide Fälle gleichzeitig weg — auch die Novembernächte, die dir niemand zurückbringt.
Wann lohnt es sich, Portale zurückzufahren?
Aus dieser Logik folgt eine Strategie, die deutlich besser funktioniert als Abschalten:
- In der Hochsaison, wo du ohnehin voll wirst, ist Reichweite wertlos — du brauchst sie nicht zu kaufen. Hier lohnt es sich, Direktbuchungen aktiv zu fördern: Stammgäste vor Saisonstart persönlich ansprechen, Preisvorteil bei Direktbuchung, eigene Website bewerben. Jede Nacht, die du hier direkt verkaufst, ist echter Zugewinn.
- In der Nebensaison ist Reichweite Gold wert. Da ist die Provision keine Belastung, sondern eine Investition, die sich fast immer rechnet. Portale hier auszubremsen, ist der sicherste Weg zu leeren Wochen.
Um das zu steuern, musst du wissen, welche Monate ohnehin voll werden — und das siehst du nicht am Gefühl, sondern an deiner Auslastung je Monat über mehrere Jahre.
Wie rechne ich meine Portal-Rentabilität aus?
- Echte Sätze zusammentragen. Zwei, drei Abrechnungen je Portal ansehen und den tatsächlichen Prozentsatz notieren — inklusive Zusatzprogrammen. Bei Direktbuchungen: deine Zahlungsgebühren nicht vergessen.
- Netto je Portal rechnen und die effektive Gesamtprovision bilden. Diese eine Zahl ist dein Ausgangspunkt für jede weitere Entscheidung.
- Ø-Preis pro Nacht je Portal vergleichen. Große Abweichungen sind ein Hinweis auf Rabattprogramme oder einen ungünstigen Saison-Mix — beides lässt sich gezielt angehen.
- Mit deiner Auslastung abgleichen. Welche Monate sind ohnehin voll (dort Direktbuchung fördern), welche brauchen Reichweite (dort Portale arbeiten lassen)?
- Erst dann entscheiden — differenziert. Nicht „Portal raus", sondern: Wo kaufe ich Reichweite ein, und wo verkaufe ich selbst?
Der Aufwand für diese Rechnung ist überschaubar — einmal. Das Problem ist die Wiederholung: Die Sätze ändern sich, der Mix verschiebt sich, und nach ein paar Monaten ist die Excel-Tabelle veraltet. Genau deshalb bleibt diese Analyse bei den meisten Vermietern liegen.
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